Demo-Rave für Freiräume: 9. Juli 2018

AUFRUF ZUM DEMO-RAVE AM 9. JUNI

Wir haben es satt! Wir haben keinen Bock mehr auf Hinhalte-Taktik, auf Lippenbekenntnisse und die immer gleichen unfairen Interessenabwägungen! Wir haben die Kohle schon lange beisammen, die Baupläne in der Schublade und ein riesiges Netzwerk hinter uns. Wir können unsere Wände mit politischen Beschlüssen tapezieren: Erwähnung im Koalitionsvertrag, Bürgerschafts-, Beirats- und Senatsbeschlüsse, Bebauungsplanänderung. Wir holen Lärmschutzgutachten ein und gehen aktiv auf Anwohner*innen zu. Was wollt ihr noch? Wir wollen mit euch zusammenarbeiten, wir waren jahrelang geduldig, aber irgendwann ist Schluss!

Wir fordern den Bunker für das Zucker und eine feste Bleibe für das Irgendwo – und zwar sofort! Wir fordern alle Nachbar*innen auf, von Klagen abzusehen! Wir fordern Freiräume für die zahlreichen subkulturellen Projekte in dieser Stadt und überall!

Seit 2012 befindet sich das Kunst- und Kulturnetzwerk rund um den Zucker Club auf Raumsuche. In sechs Jahren wurden ca. 60 Immobilien im Stadtgebiet geprüft. Mehrere Male waren wir nah dran, sind aber immer wieder an Einzelinteressen gescheitert. Seit 2015 arbeiten wir nun an Kauf und Umbau eines neuen Kulturzentrums mit Clubbetrieb im Hochbunker an der Hans-Böckler-Straße. Doch trotz eindeutiger politischer Bekenntnisse und längst stehender Eigen-Finanzierung stehen wir nach 2,5 Jahren immer noch nicht auf der Baustelle! In der Bremer Verwaltung und bei der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) werden unsere Anliegen verschleppt und unser Projekt mit den absurden Hebeln der Bürokratie verunmöglicht. So droht das Projekt zum Beispiel an der grotesken Stellplatz-Verordnung zu scheitern, obwohl das Zucker dafür schon längst Lösungskonzepte präsentiert hat. Was soll das? Zudem droht die am Hochbunker ansässige Straßenverkehrs-Genossenschaft Bremen eG (SVG) mit einer Klage, sobald wir einen Bauantrag stellen. Wir kennen das bereits von der Initiative Stadtbremische Häfen e.V. (ISH), die 2014 eine aussichtsreiche Immobilie mitten im wohngebietsfernen Hafen verhinderte. Argumente und Anwalt sind die gleichen wie damals. Von Beginn an sind wir mit detallierten Baumaßnahmen zur Wahrung ihrer Interessen auf die SVG zugegangen – ein Dialog fand nicht statt.

Es reicht! Wenn ihr uns wirklich wollt, dann könnt ihr uns möglich machen! Auch gegen die Widerstände vermeintlich wichtiger wirtschaftlicher Interessen!

Eine ähnliche Geschichte kann das Irgendwo erzählen. Entstanden aus der Freiluftpartyszene und dort von der Polizei vertrieben, endete 2015 der Versuch, ein Gebäude an der Hochstraße zu bespielen, aufgrund der Lärmbeschwerden zweier Anwohnenden sehr schnell. Darauf folgte mit dem Projekt Außerhalb auf einer autobahnnahen Wiese in Bremen-Woltmershausen der erste Versuch, einen Sommer auf einer Fläche im Freien zu verbringen. Das Projekt endete wieder aufgrund des subjektiven Lärmempfindens Einzelner – ohne weitere Überprüfung. 2017 dann, nach 36 bis dahin besichtigten Flächen, kam das Anderswo auf einer Brache in Flughafennähe unter, das Projekt ging friedlich im Oktober des selben Jahres zu Ende. Weil die vermietende Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) potentielle Investor*innen über eine saubere Fläche führen wollte, mussten die umfangreichen und arbeitsintensiven Bauten abgerissen werden. Weil sich kein Investor fand (surprise!), kam es zu der absurden Situation, alles sechs Monate später für die nächste Zwischennutzung durch das nun in Irgendwo umbenannte Projekt wieder aufzubauen. Planungssicherheit und Wertschätzung sehen anders aus! Seit Januar 2018 musste das Irgendwo der Baugenehmigung hinterher laufen und den Lärmschutz bis ins finanziell nicht mehr Tragbare erhöhen. Dennoch lag über drei Monate keine Baugenehmigung vor – trotz positivem Beiratsbeschluss. Anwohnende drohen mit Klage vor dem Verwaltungsgericht sobald ein Ton hörbar ist. Ob dann die hart erkämpfte und mit vielen Auflagen gespickte Genehmigung nicht im Eilverfahren entzogen wird, ist unklar. Das Irgendwo wird verhindert, für diesen Sommer – und auch für darüber hinaus!
Zucker und Irgendwo haben bei ihrer Suche nach Flächen und Räumen immer Orte ohne direkte Nähe zu Anwohner*innen ins Auge gefasst. Wir stehen für ein respektvolles Miteinander und wir wollen niemanden stören! Die intensive Suche zeigt aber auch: im verdichteten Stadtraum gibt es keine konfliktfreien Räume.

Aber auch wir haben ein Recht auf unsere Kultur, auf unser Stück Stadt! Es kann nicht sein, dass wir immer wieder an den Interessen Einzelner scheitern!

Zucker und Irgendwo sind nur die aktuellen Beispiele einer verkorksten Bremer Kulturpolitik. Eine Kulturpolitik, die eigentlich keine ist, denn unsere Ansprechpartner*innen sitzen im Wirtschafts- und Bauressort. Warum finden unsere Verhandlungen ohne Unterstützung aus der Kulturbehörde statt? Wo bleibt das Bekenntnis zu Subkultur und zu elektronischer Tanzmusik des Kulturressorts? Warum müssen wir die ganze Zeit gegen Investor*innen um Räume konkurrieren und uns an unserer ökonomischen Verwertbarkeit messen lassen? Warum werden gerade erst geschaffene Orte für Freiluft-Partys wieder verboten und die Veranstalter*innen wegbürokratisiert? Wir fordern klare Bekenntnisse zu unserer Kultur – denn wir sind Kultur und keine Wirtschaftsbetriebe! Wir solidarisieren uns mit der Erle31 und den vielen anderen subkulturellen Projekten und unterstützen ihre Kämpfe um Räume in Bremen. Und ob Moloch in Hamburg, Jonny Knüppel oder Friedel54 in Berlin – überall müssen Projekte, Clubs und Infoläden weichen. Sei es durch nicht zu stemmende Mieterhöhung, fehlendem durch Wohnbebauung notwendig gewordenem Lärmschutz, oder die Entwicklung eines Areals durch Investor*innen. Wir wollen nicht weiter zuschauen bei der Verdrängung, Räumung und Verhinderung von subkulturellen Orten und unkommerziellen Freiräumen. Wir stellen uns gegen neoliberale Stadtpolitik, die alles verwertbar machen will. Wir wollen unsere Kultur selbst gestalten – abseits von Verwertungslogik und Leistungsdenken.

Eine Stadt ohne Subkultur, ohne unkommerzielle Freiräume ist nicht lebenswert!

Wir demonstrieren aber nicht nur für unsere subkulturellen Freiräume. Es geht um viel mehr. Es geht um ein Recht auf Stadt für alle. Wir erklären uns solidarisch mit den Forderungen des Aktionbündnisses „Shut down Camp Gottfried-Daimler-Straße“. In der Gottfried-Daimler-Straße in Bremen-Oslebshausen leben junge Refugees unter menschenunwürdigen Bedingungen in einer Zeltunterkunft neben den Stahlwerken. Sie sind weitestgehend abgeschnitten von gesellschaftlicher und sozialer Teilhabe. Es scheint fast so, als wollten die Behörden die zum Großteil nicht als minderjährig anerkannten Refugees mit unaushaltbaren Bedingungen in den Zelten mürbe machen. Auch für ihr Recht auf Teilhabe, eine menschenwürdige Unterbringung und ein Bleiberecht für alle gehen wir auf die Straße. Ob Kämpfe gegen Gentrifizierung, für Subkultur oder um Rechte für Geflüchtete – wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen! Nur ein gemeinsamer solidarischer Kampf macht uns sichtbar und erfolgreich.

Gegen Rassismus, Sexismus und Mackertum, gegen Homo- und Transphobie, für Feminismus – für unsere Hüpfburg aus Beton!

Es unterstützen:
1 BPPCB
4. Dimension
Anachronism
Anderswo
AStA HfK Bremen
Bunte Liebe
Conartism
Concrete Sessions
Delusion
Dirty Disco Crew
Drowned Records
DTKO
Erika – die Milchshake-Bar
Erle 31
Friendly Connections
Gängeviertel (Hamburg)
Hackenporsche
hbsides.tumblr.com/
Irgendwo
Jazzrocken
Keine Party
kukoon
Kultur im Bunker e.V. – Bremen
La6izi Community
Latenz
LikeBirdz (Hamburg)
Mensch Meier (Berlin)
wird es eine minibar geben?
Moloch (Hamburg)
Musikszene Bremen e.V.
Parzellusion
Phuture
Purple Scare
Galerie zum Roten Heino
Rotzige Beatz (Hamburg)
Schwankhalle
Spedition Bremen
Südpol Hamburg
Theater Bremen CLUB
Zollkantine
Zucker Club
Katzensprung


DEMO-RAVE am 9. Juni 2018
15 Uhr: BAHNHOFSVORPLATZ BREMEN


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